Nachteilsausgleichs-Massnahmen (NAM)

Lernende mit Behinderungen oder Lern- und Leistungsschwierigkeiten (wie Dyslexie, Dyskalkulie oder AD(H)S) können Massnahmen zum Nachteilsausgleich beantragen. Eine Richtlinie regelt die Voraussetzungen, das Verfahren und weitere Grundlagen zum Vollzug des Nachteilsausgleichs bei Berufsfach- und Mittelschulen im Kanton Zürich. Sie ist seit dem 1. August 2017 in Kraft. Bereits verfügte Massnahmen zum Nachteilsausgleich behalten ihre Gültigkeit.

Daten und Fakten Nachteilsausgleichs-Massnahmen (NAM)

Zweck

Die Richtlinie bezweckt eine einheitliche Umsetzung der NAM für Lernende in der beruflichen Grundbildung im Kanton Zürich.

Voraussetzungen

Als NAM gelten Massnahmen, die dem Ausgleich der behinderungsbedingten Erschwernisse dienen, so dass die Leistungen angemessen beurteilt werden können. Sie werden gewährt, wenn

  • die grundsätzliche Eignung für die spätere Ausübung des zu erlernenden Berufes als Kauffrau/Kaufmann nicht in Frage steht
  • die Massnahmen zweckmässig und mit der Ausbildung bzw. dem Regelunterricht vereinbar sind
  • die Massnahmen mit verhältnismässigen Mitteln umgesetzt werden können

 

Es werden nur formale Nachteilsausgleiche wie Zeitzugaben, längere Pausen oder weitere geeignete Massnahmen (z.B. Seh- oder Hörhilfen) gewährt.

Entscheid

Über NAM während des Berufsfachschul- und Berufsmaturitätsunterrichts entscheidet die Schulleitung.

Über NAM im Qualifikationsverfahren entscheidet das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA).

Bei einem Lehrortwechsel werden die bisher gewährten NAM berücksichtigt.

Gesuch

Das Gesuch um NAM wird mit einem Formular des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes MBA (B-, E-Profil inkl. KV2 - Berufsmaturität) via Sekretariat  an die Schulleitung eingereicht.

Gesuche für die BM2 müssen dem Sekretariat BM zugestellt werden.

Das Formular bezeichnet die Behinderung und hält die vorgesehenen Massnahmen fest. Es ist vom Berufsbildner oder der Berufsbildnerin mitzuunterzeichnen.

Dem Gesuch ist ein aktuelles Gutachten einer vom MBA anerkannten Fachstelle beizulegen. In diesem werden die Behinderung oder Lern- und Leistungsschwierigkeiten bestätigt und eine entsprechende unterstützende Massnahme empfohlen.

Zeitpunkt

Das Gesuch um NAM ist einzureichen, sobald deren Notwendigkeit erkannt wurde, wenn möglich zu Beginn der beruflichen Grundbildung bzw. des Bildungsganges der Berufsmaturität.

Das Gesuch um NAM im Qualifikationsverfahren ist spätestens mit der Prüfungsanmeldung an das MBA einzureichen.

Fachstellen

Gutachten werden anerkannt, wenn sie von folgenden Fachstellen ausgestellt wurden:

  • den für die Wohnortsgemeinde zuständigen Schulpsychologischen Dienst (SPD)
  • den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons Zürich (KJPD)
  • das Kinderspital Zürich
  • das Kantonsspital Winterthur
  • das Schweizerische Epilepsiezentrum
  • die psychiatrische Universitätsklinik
  • die Integrierte Psychiatrie Winterthur

Verfahren

Die Schulleitung klärt nach Einreichung der vollständigen Gesuchsunterlagen ab, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Sie kann, wenn die beantragten Massnahmen wesentlich von der Praxis abweichen, eine Zweitmeinung von einer heilpädagogischen Fachperson einholen.

Die Schulleitung nimmt Stellung zu dem eingereichten Gesuch und reicht es dem MBA ein.

Liegt beim Einreichen des Gesuchs das Gutachten oder die darauf basierende Empfehlung noch nicht vor und ist das Gesuch hinreichend begründet, können angemessene vorsorgliche Massnahmen berücksichtigt werden.